Kriebstein – In Kriebstein soll eine Fabrik für Faserplatten aus recyceltem Material entstehen. Der Freistaat Sachsen unterstützt das Vorhaben mit 9,85 Millionen Euro. Wirtschaftsminister Dirk Panter übergab den Fördermittelbescheid am 20.10.2026 an die Honext x WEPA GmbH, teilte die Gemeinde Kriebstein mit.
Das neu gegründete Unternehmen will am Traditionsstandort der sächsischen Papierindustrie hochwertige Faserplatten fertigen. Das Geld kommt aus dem Bund-Länder-Programm GRW-RIGA, also aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“. Zusätzlich finanziert die Europäische Investitionsbank (EIB) das Vorhaben. Die Bank gewährt dafür ein Darlehen von 22,4 Millionen Euro; die Zusage war schon im Frühjahr bekannt gegeben worden.
Hinter der Honext x WEPA GmbH steht ein Gemeinschaftsunternehmen der WEPA Gruppe und des spanischen Faserplatten-Spezialisten Honext Material aus Barcelona. Die WEPA Gruppe hat ihren Stammsitz in Arnsberg-Müschede in Nordrhein-Westfalen und betreibt in Kriebstein bereits ein Werk für Hygienepapier. Für den Aufbau zweier Produktionslinien setzt das Unternehmen etwa 39 Millionen Euro ein. Nach Angaben der Mitteilung ist es die erste Fabrik dieser Art in Europa.
Als Rohstoff dienen ausschließlich aufbereitete Recyclingfasern, ergänzt um Faserstoffe, die bei der Hygienepapierherstellung anfallen. Zusatzstoffe, etwa Leim, kommen nicht zum Einsatz. Sie sind vollständig recycelbar, stabil, leicht und akustisch sehr gut. Einsatzgebiete sind unter anderem Innenraumverkleidungen, Akustiklösungen und Messebauten. In Europa werden sie unter dem Markennamen HONEXT® vertrieben.
Gefertigt werden die Platten am WEPA-Standort Kriebstein. Auf dem benachbarten Gelände, früher K&N, entsteht dafür eine zusätzliche Produktionsanlage neben der bestehenden Hygienepapierproduktion. Die vorgesehenen Faserstoffe werden vor Ort weiterverarbeitet. Damit sollen regionale Wertschöpfungsketten gestärkt werden.
Nach den Worten von Minister Panter handelt es sich bei der Förderung um „gut angelegtes Geld, denn das Vorhaben hat Vorbildcharakter für die Kreislaufwirtschaft im Freistaat Sachsen und darüber hinaus für ganz Europa“. Als „Leuchtturm für die Kreislaufwirtschaft in Europa“ bezeichnete Martin Krengel, Vorstandsvorsitzender der WEPA Gruppe, das Projekt.
Zur Förderung nennt die Mitteilung: Das Bund-Länder-Programm GRW, zu dem die Teilprogramme GRW-Infra und GRW-RIGA gehören, gilt in Sachsen als wichtigstes Werkzeug der Wirtschafts- und Strukturpolitik. Das Kabinett beschloss am 19. Mai 2026, die beiden Richtlinien neu zu fassen und die Förderung deutlich zu vereinfachen.
Die WEPA Gruppe beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 4500 Mitarbeitende an 15 europäischen Produktionsstandorten. Im Werk Kriebstein stellen 275 Mitarbeitende Taschentücher und Kosmetiktücher her.
Zusammenhang
Mit der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ wollen Bund und Länder zu gleichwertigen Lebensverhältnissen beitragen. Ihr Engagement in strukturschwachen Regionen richtet sich auf dreierlei: Arbeitsplätze und Einkommen erhalten und neu entstehen lassen, Nachteile des Standorts abbauen sowie den Umbau hin zu einer klimaneutralen, nachhaltigen Wirtschaft vorantreiben. Das steht im Koordinierungsrahmen des Bundeswirtschaftsministeriums.
Die Sächsische Aufbaubank beschreibt die Richtlinie GRW RIGA als Zuwendung für Investitionsvorhaben der gewerblichen Wirtschaft. Damit sollen dauerhaft Arbeitsplätze oder Ausbildungsplätze im Freistaat geschaffen oder gesichert werden. Angeboten werden Zuschüsse für Investitionsvorhaben in das Anlagevermögen oder Lohnausgabenförderung, die Fördersätze reichen bis zu 45 %. Ein Förderantrag muss vor Beginn des Vorhabens gestellt werden. Die Dauerarbeitsplätze müssen nach Abschluss des Vorhabens fünf Jahre erhalten und besetzt bleiben.
Zur Mittelverteilung nennt der Koordinierungsrahmen eine Quote für jedes Land. Sachsen hat dort eine Mittelquote von 16,26 Prozent.
Randbemerkung
Die Förderung ist an ein großes Investitionsvorhaben mit privatem und europäischem Geld gekoppelt, das erleichtert die Einordnung. Offen bleibt in der Mitteilung, wie viele Arbeitsplätze am Standort entstehen sollen. Gerade dazu dürften sich Menschen vor Ort Informationen wünschen.

