Annaberg-Buchholz – In Annaberg-Buchholz hat der Erzgebirgskreis sein neues Katastrophenschutzzentrum in Betrieb genommen. Es wurde am 22.10.2026 feierlich eröffnet, wie das Landratsamt Erzgebirgskreis mitteilte. Die Bauzeit betrug ca. vier Jahre, die Gesamtinvestition liegt bei 11,2 Millionen Euro. Nach Angaben des Landratsamtes ist es die größte Investition in die Katastrophenschutzinfrastruktur des Landkreises seit Jahrzehnten.
Bei der Eröffnung betonte Landrat Rico Anton: „Dank der interaktiven Technikausstattung ist der Landkreis noch besser auf die Bewältigung zunehmender und komplexer Bedrohungslagen, extremer Witterungsereignisse sowie außergewöhnlicher Schadenslagen vorbereitet.“
Was auf dem Gelände untergebracht ist
Das Zentrum hat eine Gesamtgrundfläche von ca. 7.000 m². Dort sind mehrere Einrichtungen zusammengezogen worden: der 3. Katastrophenschutz-Einsatzzug des Erzgebirgskreises, den der DRK-Kreisverband Annaberg-Buchholz trägt, das Feuerwehrtechnische Zentrum (FTZ) und der Verwaltungsstab. Außerdem befinden sich dort die Diensträume des Referats Rettungsdienst, Brand- und Katastrophenschutz im Landratsamt.
Die Einsatzkräfte des 3. Einsatzzuges nutzen im Funktionstrakt schon seit dem Jahr 2024 Aufenthalts-, Beratungs- und Büroräume. In der neu gebauten Fahrzeughalle mit PV-Anlage ist Platz für die 10 Fahrzeuge des Einsatzzuges, für die Führungseinheit sowie für Technik und Ausstattung.
Der Umzug des FTZ diente zugleich dazu, die Technik zu erneuern. Angeschafft wurden unter anderem eine Dekontaminationsstrecke für die Atemschutztechnik, ein Trocknungsschrank für Feuerwehranzüge und ein Kompressor zum Füllen von Atemluftflaschen. Der Verwaltungsstab des Kreises findet bei einem Großschadensereignis oder einer Katastrophe nach Angaben des Landratsamtes eine moderne, redundant ausgelegte Arbeitsumgebung vor.
Psychosoziale Notfallversorgung und neue Fahrzeuge
Bei der Veranstaltung wurden außerdem die Einheiten der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) offiziell in den Dienst des Katastrophenschutzes gestellt. Sie kümmern sich im und nach dem Einsatzfall um die psychosoziale Unterstützung von Betroffenen, Angehörigen und Einsatzkräften. Dazu gehören:
- das Team für Krisenintervention & Notfallseelsorge Annaberg e. V.
- die Einrichtung Krisenintervention & Notfallseelsorge Marienberg, getragen vom Diakonischen Werk im Kirchenbezirk Marienberg e. V.
- die Kriseninterventionsgruppe der Johanniter aus Aue-Schwarzenberg (Regionalverband Chemnitz/Erzgebirge)
- das Team für Notfallseelsorge und Krisenintervention Oelsnitz/Zwönitz, das zur Diakonie Erzgebirge gehört
- die Kriseninterventionsgruppe aus Stollberg, getragen vom dortigen DRK-Kreisverband
Zum Abschluss wurden drei neue Katastrophenschutzfahrzeuge übergeben. Die Ortsfeuerwehr Niederlauterstein bekam ein Mannschaftstransportfahrzeug, das für Waldbrandeinsätze gedacht und mit einem Quad ausgerüstet ist. Die Ortsfeuerwehr Niederneuschönberg erhielt zwei Fahrzeuge: einen Mannschaftstransporter, der dem 2. Gefahrgutzug zugeordnet ist, und ein CBRN-Erkundungsfahrzeug.
Zum Katastrophenschutz im Kreis
Zurzeit besteht der Katastrophenschutz des Erzgebirgskreises aus insgesamt 11 taktischen Einsatzzügen und 4 Einsatzgruppen. Die feuerwehrtechnischen Teile sind in den Freiwilligen Feuerwehren des Kreises angesiedelt, die sanitätsdienstlichen in verschiedenen Hilfsorganisationen. Ca. 800 Helfer haben sich verpflichtet und besetzen im Ernstfall 82 Fahrzeuge.
In Kürze
- Eröffnung: 22.10.2026
- Ort: Annaberg-Buchholz
- Gesamtinvestition: 11,2 Millionen Euro
- Gesamtgrundfläche: ca. 7.000 m²
Randbemerkung
Dass Verwaltungsstab, Feuerwehrtechnik und Einsatzzug an einem Ort sitzen, dürfte im Ernstfall kurze Wege schaffen. Die Mitteilung beschreibt viel Technik, sagt aber nichts darüber, wie oft Stab und Einsatzkräfte hier gemeinsam üben werden. Die offizielle Einbindung der Kriseninterventionsteams ist ein sinnvoller Schritt, weil auch Helfer Unterstützung brauchen.

