Annaberg-Buchholz – Der Weg in den Arztberuf führt nicht allein über ein Einser-Abitur. Das will das Landratsamt Erzgebirgskreis Schülerinnen und Schülern der Region mit der Veranstaltungsreihe „Dein (alternativer) Weg zum Medizinstudium“ zeigen, teilte die Behörde mit. Der Hintergrund: Staatliche Universitäten in Deutschland haben nur wenige Studienplätze. Laut Stiftung für Hochschulzulassung kamen 2025 im Schnitt drei Bewerbende auf einen Platz in Humanmedizin.
Bei den freiwilligen Schulinformationsveranstaltungen stellt Maria Neubert, Regionalkoordinatorin für die Gesundheitsversorgung im Erzgebirgskreis, verschiedene Zugangswege vor. Medizinstudierende sowie Ärztinnen und Ärzte berichten dort von ihren Erfahrungen und beruflichen Perspektiven.
Förderung der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen
Ein Schwerpunkt sind die Förderprogramme der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS). Das Modellprojekt „Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen“ richtet sich an Studieninteressierte mit einem Abiturdurchschnitt von bis zu 2,6, die in Pécs in Ungarn Medizin studieren möchten. Die KVS übernimmt die Semestergebühren von 7.500 Euro. Im Gegenzug müssen die Geförderten später eine Weiterbildung in der Allgemeinmedizin machen und mehrere Jahre lang als Ärztin oder Arzt im ländlichen Raum Sachsens arbeiten.
Krystin Mielke und Konstantin Bauer nutzten das Programm vor rund zehn Jahren selbst. Heute sind sie an den Kliniken Erlabrunn in der Weiterbildung zur Allgemeinmedizin. Am Evangelischen Gymnasium Erzgebirge in Annaberg-Buchholz und am Gymnasium Marienberg berichteten sie über ihren Werdegang.
Am Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium Schneeberg war Dr. med. Illing dabei, Hausarzt, der mehrere Praxen in und um Schneeberg betreibt. Er schilderte den hausärztlichen Praxisalltag und seine Arbeit als leitender Notarzt und sprach über Herausforderungen im Studium.
Studium in Chemnitz
Eine weitere Möglichkeit ist der Modellstudiengang Humanmedizin MEDiC (Medizin in Chemnitz). Ihn führen das Klinikum Chemnitz gGmbH und die Technische Universität Dresden gemeinsam durch. Medizinstudentin Mara Weiße präsentierte den Studiengang am Humanistischen Greifenstein-Gymnasium in Thum. Sie erklärte das Bewerbungsverfahren und die Lehre, die nah an der Praxis und am Patienten ausgerichtet ist und Vorklinik und Klinik eng verbindet.
Das Sächsische Hausärztestipendium der KVS, das mit rund 1.000 Euro im Monat dotiert ist, unterstützt Weiße finanziell. Auch dieses Angebot soll Nachwuchs für die hausärztliche Versorgung auf dem Land gewinnen.
Im Mittelpunkt steht der persönliche Austausch. Die Jugendlichen können Fragen zum Studienalltag, zu den Anforderungen und zur Vereinbarkeit von Studium und Privatleben stellen. Auch ein Studium fernab der Familie wird offen angesprochen. Das Landratsamt will damit bei der Berufsorientierung helfen, die Ärzteversorgung der Region sichern und junge Menschen für eine spätere Arbeit im Erzgebirgskreis gewinnen.
Das Landratsamt lädt alle allgemeinbildenden und berufsbildenden Gymnasien der Region ein, eine solche Schulinformationsveranstaltung zu buchen.
In Kürze
- Kontakt: Maria Neubert, Regionalkoordinatorin für die Gesundheitsversorgung im Erzgebirgskreis
- Telefon während der Sprechzeiten des Landratsamtes: 03733 831-1301
- E-Mail: [email protected]
- Zielgruppe: alle allgemeinbildenden und berufsbildenden Gymnasien im Erzgebirgskreis
Zusammenhang
Das Modellprojekt „Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen“ läuft nach Angaben der KV Sachsen seit 2013. Damit lässt sich in Ungarn an der Universität Pécs auf Deutsch Medizin studieren, auch wenn das Abitur nicht mit einer glatten Eins abgeschlossen wurde. Wie die KV Sachsen bei einer früheren Bewerbungsrunde mitteilte, galt auch dort für die Bewerbung ein Abiturdurchschnitt bis 2,6.
Wie die KV Sachsen mitteilt, übernimmt jeder Teilnehmer die Patenschaft für eine Hausarztpraxis im Freistaat, und nach dem Studium folgt die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin, ebenfalls in Sachsen. Danach arbeiten sie mindestens 5 Jahre lang abseits der Metropolregionen Dresden und Leipzig.
Randbemerkung
Das Angebot setzt dort an, wo Schülerinnen und Schüler Entscheidungen treffen: in der Schule, mit Menschen, die den Weg schon gegangen sind. Die Verpflichtung zur Tätigkeit auf dem Land gehört zum Modellprojekt der KVS und sollte vor einer Bewerbung genau bedacht werden. Offen lässt die Mitteilung, wie viele Schulen bislang teilgenommen haben.

