Wer im Klinikum Chemnitz einen ruhigen Moment sucht, findet dort noch bis zum 17. November 2026 das Versöhnungskreuz von Coventry. Die Krankenhausseelsorge zeigt das weltweit bekannte Nagelkreuz in den Räumen der Stille an allen drei Standorten des Krankenhauses. Nach Angaben des Bistums Dresden-Meißen will die Seelsorge damit Frieden, Vergebung und einen respektvollen Umgang im Alltag der Klinik stärken.
Das Kreuz wandert von Standort zu Standort. Zwei Wochen lang war es am Standort Flemmingstraße zu sehen. Noch bis zum 27. Oktober steht es im Klinikbereich Küchwald, danach folgt die Klinik auf der Dresdner Straße.
Woher das Nagelkreuz kommt
Die Geschichte reicht bis ins Jahr 1940 zurück. Damals zerstörten deutsche Bombenangriffe die englische St.-Michaels-Kathedrale in Coventry. Drei große mittelalterliche Zimmermannsnägel, die man in den Trümmern fand, setzte man zum ersten Nagelkreuz zusammen. Dieses Kreuz soll nicht Zerstörung und Hass in Erinnerung halten. Es steht vielmehr für die Überzeugung, dass sich durch Versöhnung auch tiefe Gräben zwischen Völkern und einzelnen Menschen überwinden lassen.
Die Chemnitzer Jakobikirche ist seit 2025 Teil der weltweiten Gemeinschaft von Coventry. Beim Bombenangriff auf Chemnitz am 5. März 1945 schwer getroffen, wurde sie später wieder aufgebaut. Heute dient sie als Gedenk- und Versöhnungsort. Das Chemnitzer Nagelkreuz wird dort aufbewahrt und als Wanderkreuz regelmäßig an verschiedenen Orten der Stadt gezeigt. Eine Stele aus zwei Holzbalken hält den Umriss des Kreuzes sichtbar, wenn das Original unterwegs ist.
Die Klinikseelsorge schreibt auf der klinikinternen Homepage, das Kreuz stehe für eine veränderte Haltung im Miteinander, die aus dem Geist der Vergebung auf den anderen blicke. Dort steht zudem: „Die Idee dieses Kreuzes erinnert uns daran, uns nicht von zerstörerischen Gedanken wie Hass, Wut und Aggression leiten zu lassen, sondern im Gegenüber immer noch – oder wieder – den Menschen zu sehen.“
Eingeladen sind Patientinnen und Patienten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Angehörige und weitere Interessierte. Sie können die Räume der Stille an den Standorten besuchen und dort innehalten. Zusätzlich gestaltet die Krankenhausseelsorge am Standort Dresdner Straße für die Zeit des Gastspiels Angebote rund um Vergebung und Versöhnung.
In Kürze
- Zeitraum: bis 17. November 2026
- Ort: Räume der Stille an den drei Standorten des Klinikums Chemnitz
- Küchwald: bis 27. Oktober
- danach: Klinik auf der Dresdner Straße, mit Angeboten der Krankenhausseelsorge zu Vergebung und Versöhnung
- zuvor: zwei Wochen am Standort Flemmingstraße
Zusammenhang
Nach Darstellung der Online-Enzyklopädie Wikipedia wurde die Kathedrale von Coventry am 14. November 1940 bei einem Bombenangriff fast vollständig zerstört, nur Turm und Außenwände blieben stehen. Dompropst Richard Howard veranlasste bei den Aufräumarbeiten, drei große Nägel der zerstörten Kathedrale zu einem Kreuz zu verbinden.
Aus diesem Kreuz entstand die ökumenische Nagelkreuzbewegung, die in Coventry ihren Anfang nahm. Ihr gehören heute weltweit über 160 Orte mit Gebetsgemeinschaften an. Als Zeichen der Verbundenheit bekommt jedes Nagelkreuzzentrum eine Nachbildung des Originals, bestehend aus drei Nägeln, die aus Coventry stammen. Zu den Zielen der Gemeinschaft zählt es, Wunden der Geschichte zu heilen und an einer Kultur des Friedens zu bauen.
In Chemnitz ist die Stadtkirche St. Jakobi seit dem 5. März 2025 ein solches Nagelkreuzzentrum.
Randbemerkung
Ein Kreuz, das durch Klinikflure und Räume der Stille wandert, erreicht Menschen, die in einer schwierigen Lage sind und für Gedanken an Vergebung vielleicht gerade offen sind. Die Mitteilung nennt aber nur für den Standort Dresdner Straße Begleitangebote. Wer an den anderen Orten mehr als einen stillen Besuch erwartet, erfährt dazu nichts. Ein Anruf bei der Krankenhausseelsorge dürfte sich lohnen.

