Chemnitz – Ärztinnen und Ärzte kleinerer Krankenhäuser in Südwestsachsen können ab sofort rund um die Uhr Hilfe vom Klinikum Chemnitz holen, wenn ein Patient mit schwerem Lungen- oder Herzversagen nicht mehr ausreichend versorgt werden kann. Das Klinikum hat dafür ein mobiles ECMO-Team aufgestellt, teilte das Klinikum Chemnitz mit.
Hinter der Abkürzung ECMO verbirgt sich die ExtraCorporale MembranOxygenierung. Eine Maschine übernimmt außerhalb des Körpers die Arbeit der Lunge: Sie nimmt dem Blut das Kohlendioxid ab und versorgt es mit frischem Sauerstoff. Anschließend gelangt das Blut durch Katheter, die unter Ultraschallkontrolle in große Gefäße eingeführt werden, wieder in den Kreislauf. Nach Angaben des Klinikums ist das Verfahren häufig die letzte mögliche Behandlungsoption, wenn die Lunge das Blut trotz Beatmungsmaschine nicht mehr ausreichend von Kohlendioxid befreit oder mit Sauerstoff versorgt.
„Der Gasaustausch über die ECMO erlaubt eine extrem lungenschonende Beatmung mit niedrigem Druck“, erklärte Jörg Martin, kommissarischer Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerzmedizin. Das gebe dem Organ Zeit zur Erholung. Anfangs sei das Verfahren vor allem bei Lungenversagen eingesetzt worden. In den vergangenen Jahren habe das Chemnitzer Expertenteam den Einsatz erfolgreich auch auf Patienten mit sehr schweren Störungen von Herz und Kreislauf erweitert. Diese Erfahrung soll nun mit einer transportablen Einheit allen Patienten der Region zugutekommen.
Hat ein kleineres Krankenhaus keine eigene ECMO-Technik, bedeutete der Transport instabiler Patienten bisher ein extremes Risiko. Deshalb gibt es nun eine ECMO-Hotline, die rund um die Uhr besetzt ist. Ärzte südwestsächsischer Kliniken erreichen darüber direkt die Chemnitzer Intensivmediziner. In einer kollegialen Beratung prüfen beide Seiten, ob eine ECMO angezeigt ist, und stimmen den besten Behandlungszeitpunkt ab.
Ist die Lage kritisch, fährt das mobile Team sofort los. Es legt das System in der Klinik vor Ort an und begleitet den gesicherten Transport zur Intensivstation nach Chemnitz. Das Team ist das ganze Jahr über jederzeit in Rufbereitschaft. Es besteht aus erfahrenen Anästhesisten, Intensivmedizinern und speziell geschulten Pflegekräften der Anästhesie- und Intensivpflege.
Philipp Teumer, Oberarzt der Intensivstation K061 und ärztlicher Leiter des ECMO-Teams, erklärte, die Maßnahme ermögliche es, lebensbedrohliche Situationen schneller und effektiver zu behandeln. Das könne die Überlebenschancen deutlich verbessern. Außerdem betonte er: „Deutschlandweit gibt es nur sehr wenige Zentren, die eine solche mobile ECMO-Einheit im 24/7-Betrieb vorhalten.“ Als Maximalversorger schlage das Klinikum eine Brücke zwischen der Grundversorgung kleinerer Häuser und der hochspezialisierten Intensivmedizin.
In Kürze
- ECMO-Hotline: für Ärztinnen und Ärzte südwestsächsischer Kliniken rund um die Uhr besetzt
- Mobiles ECMO-Team: ganzjährig jederzeit in Rufbereitschaft
- Ärztlicher Leiter: Philipp Teumer
Zusammenhang
Das Klinikum beschreibt die ECMO auf seiner Website als extrakorporales pumpengetriebenes Gasaustausch- und Kreislaufsystem für vitalbedrohliche akute Erkrankungen der Lunge und des Herzens. Damit lasse sich die Gasaustauschfunktion der Lunge und die Pumpleistung des Herzens vorübergehend unterstützen oder vollständig ersetzen.
Wie Wikipedia festhält, lässt sich mit der ECMO die Sauerstoffversorgung des Körpers auch dann sichern, wenn die Behandlung mehrere Tage oder sogar Wochen dauert. So verschafft sie selbst schwer geschädigten Lungen Zeit, sich ohne eine belastende Beatmung zu erholen. Liegt ein Lungenversagen vor, wird laut Wikipedia die veno-venöse ECMO empfohlen, bei der man das Blut aus einer großen Vene abzieht und es über eine Vene wieder in den Körper zurückführt. Bei Herz-Kreislauf-Versagen ist eine veno-arterielle ECMO sinnvoll.
Wegen der Risiken des Verfahrens soll es laut Wikipedia nur bei schweren Verläufen eingesetzt werden: Der Blutsauerstoffgehalt muss sich auch dann als unzureichend erweisen, wenn Beatmung und Positionierung der Patienten bereits optimiert wurden, und andere Ursachen müssen ausgeschlossen sein. Das Klinikum Chemnitz führt als Indikationen unter anderem ein Lungenversagen mit therapierefraktärer Hypoxämie, ein Herzkreislaufversagen bei schwerem kardiogenen Schock und anhaltendes Herzkreislauf- und Lungenversagen nach erfolgreicher Reanimation auf.
Randbemerkung
Für kleinere Häuser ist die Hotline eine praktische Entlastung, weil die Entscheidung über eine ECMO nicht allein vor Ort fallen muss. Die Mitteilung lässt offen, ab welcher Entfernung das Team ausrückt und wie schnell es tatsächlich vor Ort ist. Ebenso fehlen Einsatzzahlen. Für Patienten ist vor allem wichtig, dass die Kliniken die Möglichkeit früh genug nutzen.

