Zwickau: Klavierduo Soós-Haag beschließt Schumann-Plus-Reihe 2026

Kultur & FreizeitZwickau: Klavierduo Soós-Haag beschließt Schumann-Plus-Reihe 2026

Zwickau – Das Robert-Schumann-Haus in Zwickau beendet seine Konzertreihe Schumann Plus 2026 am Sonntag, 8. November 2026, um 17 Uhr in seinem Konzertsaal. Zu Gast ist das Schweizer Klavierduo Soós-Haag. Auf dem Programm stehen Werke für vier Hände und für zwei Flügel von Robert Schumann, Ignaz Moscheles und Johannes Brahms. Das teilte das Robert-Schumann-Haus mit.

Pedalflügel und Bach-Tradition

Robert Schumann wollte sich in Dresden gründlicher mit Johann Sebastian Bachs Orgelwerk beschäftigen und lieh sich dafür einen Pedalflügel aus. Das neuartige Instrument begeisterte ihn, und er komponierte mehrere Stücke eigens dafür. Ein solches Instrument steht in der Dauerausstellung des Hauses, obwohl es heute weitgehend vergessen ist. Für den Pedalflügel entstanden auch seine Kanonischen Studien op. 56, gewidmet seinem ersten Klavierlehrer in Zwickau. Zu hören sind sie beim Konzert in einer von Claude Debussy stammenden Bearbeitung für zwei Klaviere.

Bach selbst begründete die Tradition, die Buchstabenfolge seines Namens B-A-C-H in Musik umzusetzen. Franz Liszt und Max Reger folgten ihr, im 20. Jahrhundert auch Arthur Honegger. Schumann schrieb seine Fugen über BACH op. 60 ursprünglich für Orgel oder Pedalflügel. In Zwickau sind sie in einer Fassung für Klavier zu vier Händen zu hören.

Moscheles und Schumann

Als Verbindungsglied zwischen Klassik und Romantik wird Ignaz Moscheles betrachtet, der 1794 in Prag zur Welt kam. Er studierte am Prager Konservatorium und vor allem in Wien, machte sich als Pianist schnell einen Namen und lernte Zeitgenossen wie Clementi, Meyerbeer, Spohr und besonders Beethoven kennen. Für Beethoven schrieb er unter anderem den Klavierauszug zur Oper Fidelio. Er gastierte in nahezu allen europäischen Ländern. In Berlin unterrichtete er den 15-jährigen Felix Mendelssohn Bartholdy und freundete sich mit ihm an. Knapp zwei Jahrzehnte später holte Mendelssohn ihn an das neu gegründete Konservatorium in Leipzig, an dem zuvor Robert und Clara Schumann als Lehrer gewirkt hatten.

Schumann war Moscheles als Achtjähriger in Karlsbad begegnet, ein Erlebnis, an das er sich gern erinnerte. 1836 widmete er ihm seine Klaviersonate Nr. 3 op. 14. 1851 widmete Moscheles ihm seine Violoncellosonate op. 121. Zwei Jahre später veröffentlichte Moscheles dieses Werk „vom Verfasser … frei bearbeitet“ als vierhändige Sonate Nr. 3 für Klavier, nun Clara Schumann gewidmet. Vor einigen Jahren spielte der Cellist Ramón Jaffé die Cellofassung erstmals im Robert-Schumann-Haus. Das Klavierduo Soós-Haag bringt die vierhändige Fassung nun erstmals zur Aufführung.

Brahms und das letzte Thema Schumanns

Den Variationen op. 23 von Brahms liegt ein Thema Schumanns zugrunde, das dieser kurz vor seinem Selbstmordversuch im Februar 1854 in Düsseldorf geschrieben hatte. Clara Schumann entschied sich gemeinsam mit beratenden Freunden wie Brahms, diese letzte Klavierkomposition ihres Mannes unter Verschluss zu halten. Deshalb nahm sie das Werk nicht in die Nachlassausgaben auf, die sie ab 1856 nach Roberts Tod veröffentlichte. 1862 genehmigte sie Brahms aber die Veröffentlichung des Themas als Grundlage seiner Variationen. Die Jahreszahl 1854 wollte sie nicht dabeihaben. Dazu notierte sie: „Kein Datum, nichts weiter, die Leute brauchen das nicht zu wissen, wohl aber Deine Variationen zu kennen.“ Gewidmet ist das Werk Julie, einer Tochter Schumanns, in die Brahms heimlich verliebt war.

Das Klavierduo

Adrienne Soós (Ungarn) und Ivo Haag (Schweiz) erkunden seit einem Vierteljahrhundert das gesamte Repertoire für Klavierduo. Zu ihren Projekten zählen die komplette Aufführung der vierhändigen Werke Franz Schuberts sowie von Claude Debussy und Maurice Ravel. Außerdem suchen sie nach verborgenen Raritäten des 19. und 20. Jahrhunderts.

Auftritte führten das Duo unter anderem zum Luzern Festival, zu den Haydn-Tagen Eisenstadt, zur Schubertiade Hohenems, zum Carinthischen Sommer, zu den Musiktagen Mondsee, ans Theater Casino Zug und zur Tonhalle-Gesellschaft Zürich. Als Solisten laden sie Orchester wie das Berner Symphonieorchester, das Luzerner Sinfonieorchester, das Zürcher Kammerorchester und die Camerata Bern ein. Dabei arbeiten sie mit Dirigenten wie Mario Venzago, Jac van Steen und Peter Hirsch zusammen.

In Kürze

  • Termin: Sonntag, 8. November 2026, 17 Uhr
  • Ort: Konzertsaal des Robert-Schumann-Hauses Zwickau
  • Eintritt: 12 Euro (ermäßigt 9 Euro), zu den gewohnten Zeiten an der Museumskasse, Restkarten abends an der Kasse
  • Wer vorab bestellen möchte, erreicht das Haus unter 0375 834406 oder über schumannhaus-zwickau.de
  • Vorbestellte, nicht abgeholte Karten gehen eine Viertelstunde vor Vorstellungsbeginn in den freien Verkauf.

Randbemerkung

Das Programm verbindet Schumann mit Weggefährten und bietet mit der vierhändigen Moscheles-Sonate eine Premiere im Haus. Wer das Pedalflügel-Thema vertiefen will, kann den Konzertbesuch mit einem Blick auf das Instrument in der Dauerausstellung verbinden. Wie die Bearbeitungen klingen, verrät die Mitteilung nicht, das muss man vor Ort hören.

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