Vogtland: 106 Jugendliche suchen noch Ausbildung, 152 Stellen frei

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Plauen – Im Vogtland blieben bis zum Ende des Berichtsjahres im September 152 Ausbildungsstellen frei. Gleichzeitig stehen 106 Jugendliche noch ohne unterschriebenen Ausbildungsvertrag da. Das teilte die Agentur für Arbeit Plauen in ihrer Bilanz zum Ausbildungsmarkt 2025/2026 mit. Rein rechnerisch kommt damit mehr als eine freie Stelle auf einen unversorgten Jugendlichen. Der Überschuss an Stellen beträgt 46.

Zahlen im Berichtsjahr

Von Oktober 2025 bis September 2026 nahmen 1.101 Bewerberinnen und Bewerber die Ausbildungsvermittlung in Anspruch, 64 mehr als im Vorjahr. Gemeldet wurden im gleichen Zeitraum 1.405 Ausbildungsstellen, davon 1.351 betriebliche. Das sind 37 oder 2,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Agenturchefin Maren Lewerenz sprach von einem leichten Anstieg auf beiden Seiten. Die Unternehmen setzten trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen weiter auf die duale Ausbildung. Die Lage bleibe aber anspruchsvoll, weil Angebot und Nachfrage nicht immer zusammenpassten. Die rechnerische Lücke zwischen beiden Seiten habe sich weiter verringert.

Was Jugendliche und Betriebe tun können

Lewerenz ermutigte alle, die noch keinen Vertrag haben, sich weiter zu bewerben. Auch nach Beginn des Ausbildungsjahres sei ein Start bis Jahresende möglich. Die Berufsberaterinnen und Berufsberater unterstützten den ganzen Herbst über, kennten den Markt und berieten auch zu Alternativen zum Wunschberuf. Die Betriebe bat sie, jede Möglichkeit auszuschöpfen, denn der Bedarf an Fachkräften wachse. Praktika und Einstiegsqualifizierungen böten die Gelegenheit, einander kennenzulernen. Die Agentur unterstütze Betriebe außerdem mit zusätzlichen Angeboten während oder zur Vorbereitung einer Ausbildung.

Noch offen sind Stellen unter anderem im Verkauf, für Maschinen- und Anlagenführer sowie für Industriemechaniker und Mechatroniker. Gesucht werden außerdem Kaufleute im Einzelhandel, Konstruktionsmechaniker, Zerspanungsmechaniker, Kraftfahrzeugmechatroniker und Elektroniker.

Die gemeldeten Stellen gab es am häufigsten für Kaufleute im Einzelhandel (182), Verkäufer (101) und Zerspanungsmechaniker (51). Bei den Bewerbern liegt der Verkäufer-Beruf mit 103 Nennungen vorn, danach folgen Kfz-Mechatroniker für PKW-Technik (58) und Kaufleute für Büromanagement (45). Über ein Drittel der Jugendlichen wählte einen der zehn beliebtesten Berufe, zur Auswahl standen rund 330 Ausbildungsberufe. Die Wünsche sind weiter geschlechtstypisch geprägt: Viele junge Männer interessieren sich für technische Berufe, Frauen streben häufig Berufe im Verkauf oder im Büro an.

Stimmen aus Kammern und Jobcenter

Sina Krieger, Geschäftsführerin der IHK Regionalkammer Plauen, nannte den Ausbildungsmarkt im Vogtland insgesamt stabil. Die Folgen von Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und dem Wandel der Automobilindustrie würden durch die hohe Ausbildungsbereitschaft in anderen Branchen aufgefangen. Junge Menschen sollten früh bei der Berufsorientierung begleitet werden.

Dr. Olaf Richter, Geschäftsführer Bildung der Handwerkskammer Chemnitz, sagte, die Zahl neuer Ausbildungsverträge im Handwerk pendele sich auf hohem Niveau ein. Er forderte verlässliche Rahmenbedingungen und politische Reformen, darunter weniger Bürokratie.

Jörg Fischer, Geschäftsführer des Jobcenters Vogtland, verwies auf die steigende Jugendarbeitslosigkeit im Vogtlandkreis. Gebraucht würden Arbeitgeber, die auch jungen Menschen eine Chance einräumen, denen es noch an unmittelbarer Ausbildungsreife fehlt. Berufsorientierungspraktika und Einstiegsqualifizierungen seien wichtige Brücken in eine Ausbildung.

Die Richter Kälte- und Klimatechnik GmbH & Co. KG erhielt am 19. September den Walter-Hartwig-Preis der Handwerkskammer Chemnitz, überreicht im Rahmen des bundesweiten Tags des Handwerks. Ausgezeichnet wurde der Betrieb für seine Leistungen und seinen Einsatz in der Ausbildung. Geschäftsführer Andreas Richter sagte: „Ausbildung ist ein zentraler Bestandteil unserer Unternehmensphilosophie und unserer Arbeit.“

Weitere Hinweise der Agentur

Betriebe sollten bei der Auswahl stärkenorientiert vorgehen. Schulische Lücken lassen sich laut Agentur durch Nachhilfe der Arbeitsagenturen schließen und müssen deshalb nicht im Mittelpunkt der Auswahl stehen. Für freie Lehrstellen kommen außerdem junge Erwachsene ohne Berufsabschluss bis Mitte dreißig, sogenannte Zukunftsstarter, sowie Studienzweifler und Studienabbrecher in Frage.

Neu ist das Online-Portal meinBERUF der Bundesagentur für Arbeit. Es begleitet die Berufswahl von der ersten Idee bis zur Bewerbung, mit Themen wie Berufe und Wege, Praktikum, Ausbildung, Studium und Bewerbung. Es richtet sich auch an Eltern, Erziehungsberechtigte, Lehrende und Beratende.

In Kürze

  • Berufsberatung für Jugendliche: 0800 4 5555 00, dort auch online einen persönlichen Gesprächstermin vereinbaren
  • Gemeinsamer Arbeitgeber-Service von Agentur und Jobcenter: freie Ausbildungsstellen jederzeit telefonisch melden, unter den bekannten Durchwahlnummern oder der gebührenfreien Hotline 0800 4 5555 20

Randbemerkung

Rechnerisch gibt es mehr freie Stellen als suchende Jugendliche, doch Angebot und Nachfrage passen laut Agentur nicht immer zusammen. Wer noch sucht, sollte das Beratungsangebot der Agentur nutzen, das auch Alternativen zum Wunschberuf einschließt.

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