Annaberg-Buchholz – Der frühere Fußballer Dieter „Ete“ Schüßler feiert am Sonnabend, 7. November 2026, seinen 80. Geburtstag. Der FC Erzgebirge Aue teilte mit, dass der „Kumpelverein“ ihm gratuliere. Schüßler gilt in Aue als Legende: Für die BSG Wismut bestritt er mehr als 300 Spiele.
Nach Angaben des Vereins war es in DDR-Zeiten üblich, dass Spieler ihrem Klub lange treu blieben. Mit Ausnahme einer Episode bei der ASG Vorwärts Leipzig während der Armeezeit spielte Schüßler ausschließlich für seinen Jugendverein in Limbach-Oberfrohna und für die BSG Wismut Aue. In 301 Oberliga- und Pokalspielen erzielte der meist offensiv im Mittelfeld eingesetzte Spieler 31 Tore. In 277 Oberligaeinsätzen gelangen ihm 23 Treffer. Im Oktober 1980 lief er gegen den HFC Chemie zum letzten Mal für Aue auf.
Schüßler stammt aus dem Chemnitzer Randgebiet. Sein Vater Johannes war Anhänger der BSG Fortschritt Limbach, des Vorgängers des heutigen FSV. Dort trainierte Dieter als Kind und Jugendlicher, weil der Platz zwischen Schule und Elternhaus lag. Der gelernte Dreher spielte schon mit 17 Jahren in der Männermannschaft in der Bezirksliga, damals die dritthöchste Klasse der DDR. In der Bezirksauswahl stand er gemeinsam mit Jürgen Croy, als ihn Wismut-Trainer Gerhard Hofmann ansprach. Im Herbst ’65 gab der damals 18-Jährige sein Debüt, und zwar im Bezirksderby der Oberliga gegen den SC Karl-Marx-Stadt. In einem Interview aus dem Jahr 2021 äußerte er sich zu seinem Wechsel so: „Klar wollte ich ins Lößnitztal, hatten wir Kinder doch die legendären Europa-Cup-Spiele gierig verfolgt“.
Seinen Spitznamen erhielt er schon in der Anfangszeit in Aue. Wegen seiner Brille verglich ihn Mannschaftskollege Peter Schaarschmidt in der Kabine mit dem DDR-Fernsehkommentator Karl-Eduard von Schnitzler, genannt „Ede“. Seither ist er „Ete“.
Anfang 1966 reiste die Mannschaft direkt vom Wintertrainingslager in Schönheide nach Westafrika. Freundschaftsspiele trug sie in Guinea und Mali aus, darunter auch Partien gegen die Nationalmannschaften. Das erste Punktspiel danach, am 12. Februar vor eigenem Publikum gegen den 1. FC Magdeburg, gewann Wismut mit 1:0. Schüßler erzielte das Tor.
Besonders in Erinnerung blieb ihm das Halbfinalrückspiel im FDGB-Pokal am 22. März 1975. Aue hatte das Hinspiel in Zwickau 0:1 verloren und lag auch im Rückspiel gegen Sachsenring 0:1 zurück, nachdem Schiedsrichter Rudi Glöckner auf Strafstoß entschieden hatte. Schüßler glich kurz nach der Pause zum 1:1 aus, Wismut gewann 2:1.
Schüßler war wie Konrad Schaller, Jürgen Escher und Holger Erler einer der Regisseure der Mannschaft und gegen Ende seiner Karriere zwei Jahre lang Kapitän. Mit einer Studentenauswahl wurde er 1972 und 1975 DDR-Meister, während er neben dem Fußball Ökonomie studierte. Im Rückblick meinte er: „Was am stärksten im Bewusstsein von uns Spielern bleibt, ist der unglaubliche Zusammenhalt.“
Nach dem Karriereende 1980 arbeitete Schüßler unter anderem als Energetiker, er hatte sich zum Ingenieurökonom qualifiziert. Nach der Wende war er im Marketing und Verkauf tätig und baute Wochenzeitungen im Chemnitzer Land mit auf. Als Spielertrainer unterstützte er ab Ende 1980 den heutigen FSV Limbach-Oberfrohna, bei dem er 2016 als Co-Trainer aufhörte. Beiden Vereinen, dem FSV und dem FC Erzgebirge, bleibe er verbunden und besuche Heimspiele, sagte er 2021 in einem Gespräch.
Zusammenhang
Die Fußballer waren laut Wikipedia die erfolgreichste Sportsektion der BSG Wismut Aue. Sie spielten zwischen 1951 und 1990 ununterbrochen in der DDR-Oberliga, was neben ihr keiner anderen Mannschaft gelang. Ihre erfolgreichste Phase erlebte die Mannschaft von 1954 bis 1963, in jenen Jahren gehörte sie zum SC Wismut Karl-Marx-Stadt.
Nach der politischen Wende brach das System der Betriebssportgemeinschaften zusammen, und die BSG zerfiel in mehrere eingetragene Vereine. Einer davon war der FC Wismut Aue, der später in FC Erzgebirge Aue umbenannt wurde. Nach 40 Spielzeiten in der Oberliga, so lange wie kein anderer Verein, musste das Team den Gang nach unten antreten.

