Plauen – Wo bis 1938 die Plauener Synagoge stand, wird am 9. November ihr Umriss wieder sichtbar. Die Stadt Plauen teilte mit, dass dort eine öffentliche Installation aus Licht, Video und Klang zu erleben ist. Sie gehört zum sächsischen Themenjahr TACHELES 2026 und läuft unter dem Motto „Wir erzählen Stadtgeschichte“. Besucher müssen keinen Eintritt zahlen.
Am Originalstandort in der Engelstraße 15 wird das Gebäude nachgezeichnet. An den Wänden erscheinen Namen, Stimmen und Bilder jüdischen Lebens in Plauen. Das Projekt stellt die Leerstelle in den Mittelpunkt, die die Zerstörung hinterlassen hat.
Um 16.30 Uhr beginnt der Abend mit Reden von Bürgermeister Tobias Kämpf und von Harald Gäbel von der Adventgemeinde Plauen. Deren Gemeinde steht heute auf dem Gelände der ehemaligen Synagoge. Danach läuft die Performance bis 21 Uhr als durchgehende Schleife, man kann also jederzeit dazustoßen. Die Besucher erleben, wie eine vielstimmige Stadt ihren Alltag lebt, wie die Synagoge nach und nach erkennbar wird und welche Brüche Plauen geprägt haben. Zum Schluss steht eine Frage an die heutige Zeit: Was geht einer Stadt verloren, wenn man Ausgrenzung widerspruchslos hinnimmt?
Lebensweg als roter Faden
Im Zentrum steht der Lebensweg von Dr. Isidor Goldberg. Der Rechtsanwalt führte die Israelitische Religionsgemeinde zu Plauen über viele Jahre als Vorsitzender. Er trieb den Bau der neuen Synagoge entscheidend voran und machte früh öffentlich auf die Gefahr des Antisemitismus aufmerksam. 1933 verließ er Deutschland Richtung Frankreich, 1943 wurde er von dort deportiert und ermordet. Sein Lebensweg steht laut Mitteilung für Teilhabe, Gestaltungswillen und Verlust und belegt, wie stark die Synagoge mit der Stadtgeschichte verbunden war.
Der 9. November erinnert an die Novemberpogrome 1938. Während der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde das Gotteshaus der jüdischen Gemeinde angezündet und zerstört. Zwischen der Einweihung im Frühjahr 1930 und diesem Tag lagen gerade einmal acht Jahre. Die Installation stellt die Ereignisse jener Nacht nicht nach, sondern fragt, was seither in der Stadt fehlt.
Wer dahintersteht
Projektträger ist der Verein der Freunde und Förderer des Vogtlandmuseums Plauen, zusammen mit dem Verein DenkKultur Vogtland, der sich noch in Gründung befindet. Die Stadt Plauen ist Kooperationspartner, vertreten durch Bürgermeister Tobias Kämpf. Mitwirkende sind das Stadtarchiv Plauen mit Clemens Uhlig, der Vogtländische Israelverein und das Vogtlandmuseum Plauen. Fachlich begleitet wird das Projekt vom Förderverein des Museums. Beteiligt sind außerdem die Expertinnen Waldtraut Schmidt und Liane Kümmerl, die sich seit vielen Jahren mit der Erforschung und Vermittlung jüdischer Geschichte in Plauen befassen.
Nach den Worten von Clemens Uhlig vom Stadtarchiv macht das Projekt jüdische Geschichte und Kultur als Teil der Stadtgeschichte sichtbar, stärkt die demokratische Erinnerungskultur und eröffnet einen respektvollen Dialog zwischen jüdischen und nicht-jüdischen Menschen. Der Zugang bleibt niederschwellig, denn die Installation lässt sich öffentlich im Stadtraum erleben.
Die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen fördert die Installation. Die Maßnahme wird mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes mitfinanziert.
In Kürze
- Termin: 9. November, Auftakt um 16.30 Uhr, Performance bis 21 Uhr als Schleife
- Ort: Engelstraße 15, Originalstandort der Synagoge
- Eintritt: frei
Randbemerkung
Eine Installation am echten Ort holt die Erinnerung dorthin, wo sie hingehört, und niemand muss dafür ein Museum betreten. Dass die Performance als durchgehende Schleife läuft, erleichtert spontane Besuche. Die Frage am Schluss lädt dazu ein, den Abend nicht nur als Rückblick zu verstehen.

