Freiberg – Eine Masterarbeit, die auf Gleisbaustellen im Einsatz ist, zeichnet die Hochschule Mittweida in diesem Jahr aus: Der Maschinenbau-Absolvent Philipp Goldammer erhält den Gerhard-Neumann-Preis der HSMW. Das teilte die Hochschule Mittweida mit. Der Preis geht an technische Neuerungen von besonderem Rang, die bei Projekten, in Abschlussarbeiten oder anderen wissenschaftlichen Arbeiten entstanden sind.
Bei der Sonnenberg GmbH arbeitet Goldammer inzwischen als Konstrukteur und Projektleiter. Den Kontakt zu dem Unternehmen stellte vor rund viereinhalb Jahren Andreas Petzold von der Fakultät Ingenieurwissenschaften nach dem Modul „CAD-Techniken“ her. Daraus entwickelte sich eine längere Zusammenarbeit: Goldammer arbeitete im Studium als Werkstudent im Betrieb, schrieb dort seine Masterarbeit und wurde nach dem Abschluss direkt übernommen.
Sein Studium im Maschinenbau schloss er mit dem Schwerpunkt Konstruktion ab. Noch vor dem Masterabschluss erwarb er die Zusatzqualifikation zum Schweißfachingenieur. Zusätzlich brachte er sich im Formula-Student-Team der Hochschule ein.
Seine Masterarbeit schrieb er bei Professor Frank Weidermann und verteidigte sie im April 2026 mit der Note 1,0. Darin entwickelte er eine hydraulische Gleisjochtraverse für den Gleisbau. Mit dem Anbaugerät kann ein Bagger Gleisjoche bis zu acht Tonnen Gewicht greifen, befördern und verlegen.
Im Zentrum der Konstruktion stehen hydraulische Greifer, die sich selbst justieren. Sie gleichen Abweichungen der Gleisjoche aus und erleichtern dem Maschinenführer die Arbeit. Zugleich werden laut Mitteilung weniger Arbeitskräfte benötigt, die Verlegezeiten sinken und die Arbeitssicherheit steigt. Die Entwicklung unterstütze damit den Ausbau der Schieneninfrastruktur im Zuge des Mobilitätswandels.
Nach erfolgreichen Tests ging die Konstruktion in die Serienfertigung. Sie wird bereits an Kunden ausgeliefert. Mehrere Geräte sind im praktischen Einsatz. Im Vorschlag für die Auszeichnung heißt es, es sei „keineswegs selbstverständlich“, dass eine Lösung aus einer Abschlussarbeit unmittelbar in die industrielle Anwendung findet. Hervorgehoben werden Goldammers hohe Eigenständigkeit, seine gewissenhafte Arbeitsweise und sein Talent, Forschungsergebnisse in praktische Technik umzusetzen.
Zusammenhang
Die Hochschule Mittweida wurde nach eigenen Angaben 1865 als private Ausbildungsstätte für Maschinenbau gegründet. Laut Wikipedia verfügt sie über fünf Fakultäten. Auf ihrer Website nennt die Hochschule 6.350 Studierende und rund 90 Studienangebote.
Der Preis erinnert an Gerhard Neumann, einen früheren Mittweidaer Studenten. Wikipedia zufolge wurde er von seiner Witwe Clarice Neumann gestiftet. Er wird seit 2008 für eine herausragende technische Innovation vergeben und ist mit 500 Euro dotiert. Neumann war Vizepräsident a. D. von General Electric.
Randbemerkung
Dass eine Abschlussarbeit nicht im Regal landet, sondern auf Baustellen läuft, ist ein starkes Argument für diese Preisvergabe. Offen bleibt in der Mitteilung, wie die Jury die Arbeit gegenüber anderen Einreichungen gewichtet hat. Leser erfahren zudem nicht, wie viele Geräte tatsächlich im Einsatz sind.

