Chemnitz – Pflegekräfte sollen künftig genauer erfahren, wann Inkontinenzmaterial gewechselt werden muss. Daran arbeitet ein Verbund aus Wissenschaft und Wirtschaft im Forschungsprojekt „IKMSens – Intelligente Inkontinenzmaterial-Sensorik“. Die Technische Universität Chemnitz teilte mit, dass dort ein kontaktloses Melde- und Erfassungssystem entsteht, das Feuchtigkeit nicht nur erkennt, sondern auch ihre Menge bewertet. Koordiniert wird das Projekt von Prof. Dr. Ulrich Heinkel, der an der TU die Professur Schaltkreis- und Systementwurf innehat.
Messen ohne direkten Kontakt
Die zentrale Frage lautet, wie sich Feuchtigkeit zuverlässig erfassen lässt, ohne dass das Messsystem mit ihr in Berührung kommt. Das System befindet sich noch in der Forschung. Es könnte Pflegekräfte bedarfsgerechter informieren und sie bei der Planung der Versorgung unterstützen. So würde das Personal im Arbeitsalltag entlastet. Auch die versorgten Menschen sollen profitieren: Wird das Material nach Bedarf gewechselt, werden Kontrollen des Füllgrades seltener, was laut Mitteilung den Nachtschlaf verbessert.
Partner aus Chemnitz, Plauen und Zwickau
Zum Konsortium gehören die TU Chemnitz, die FiberCheck GmbH und die Lightweight Structures Engineering GmbH, allesamt aus Chemnitz, sowie die Modespitze Plauen GmbH. Außerdem beteiligt ist die Westsächsische Hochschule Zwickau (WHZ), dort das Institut für Textil- und Ledertechnik. Gemeinsam bringen die Partner Wissen aus Sensorik, Elektronik, Textiltechnik, Materialentwicklung, drahtloser Kommunikation und Anwendungserprobung ein.
An der TU Chemnitz entstehen unter anderem eine smarte Auswerteelektronik, passende Algorithmen und eine Infrastruktur, über die die Systemteile miteinander kommunizieren. Besonderen Wert legen die Entwickler darauf, die Messdaten zuverlässig zu verarbeiten und an das Pflegepersonal zu übermitteln.
Heinkel sagte: „Mit IKMSens wollen wir die Inkontinenzversorgung verbessern, sodass die Pflegekräfte verlässliche Informationen über den aktuellen Zustand des Inkontinenzmaterials erhalten.“ Entscheidend sei, dass die Technik im Pflegealltag praktikabel ist und sich an verschiedene Einrichtungen anpassen lässt.
Praxistauglichkeit und Nachhaltigkeit
Das System soll unabhängig davon funktionieren, welche Hygieneprodukte eine Einrichtung verwendet. Vorgesehen ist außerdem, die Sensorik von den textilen Bestandteilen trennen zu können. Das soll die spätere Weiterführung des Stoffkreislaufs erleichtern und nachhaltige Aspekte von Beginn an berücksichtigen.
Feldtests unter realen Bedingungen gab es in mehreren Pflegeeinrichtungen und Kliniken, darunter bei SenVital Chemnitz, in den Sana Kliniken Leipziger Land in Zwenkau und im Senioren- und Pflegeheim Zwickau im Schloss Osterstein. Die Ergebnisse lieferten Hinweise für die Weiterentwicklung. Sie zeigen, welche Anforderungen im Alltag an Handhabung, Zuverlässigkeit, Informationsweitergabe und Anpassung an verschiedene Einrichtungen gestellt werden.
Förderung und Laufzeit
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert „IKMSens“ im Rahmen der Initiative „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“. Das Projekt gehört zum WIR!-Bündnis DIANA, das Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesundheitswesen für patientennahe Technologien zusammenbringt. Laufzeit ist von Januar 2024 bis Dezember 2026.
Ein kurzer Videoclip der TU Chemnitz auf YouTube stellt das Projekt vor. Er zeigt auch die Erprobung mit einer Pflegepuppe an der Westsächsischen Hochschule Zwickau.
In Kürze
- Projekt: „IKMSens – Intelligente Inkontinenzmaterial-Sensorik“
- Laufzeit: Januar 2024 bis Dezember 2026
- Koordination: Prof. Dr. Ulrich Heinkel, TU Chemnitz
- Weitere Informationen: Dhruv Padam Gupta, E-Mail: [email protected]
Randbemerkung
Die Idee setzt an einem echten Alltagsproblem an, und die Feldtests in Pflegeeinrichtungen sind ein gutes Zeichen. Offen bleibt, wann und zu welchen Bedingungen das System tatsächlich in Heimen ankommt, denn dazu sagt die Mitteilung nichts. Auch ob es im Alltag so entlastet wie erhofft, zeigt sich erst im Einsatz.

