Freiberg – Im Landkreis Mittelsachsen gab es im Berichtsjahr 2025/2026 mehr gemeldete Ausbildungsstellen als Bewerber. Das teilte die Agentur für Arbeit Freiberg in ihrer Ausbildungsmarktbilanz mit. Gezählt wurde vom 1. Oktober 2025 bis zum 30. September 2026. In dieser Zeit meldeten sich 1.513 BewerberInnen, dem standen 1.612 Ausbildungsstellen gegenüber. Gegenüber dem Vorjahr sind das 21 BewerberInnen mehr und 5 Ausbildungsstellen weniger. Auf einen Bewerber kommt rechnerisch mehr als eine Stelle, das Verhältnis liegt über 1,0. Für Schülerinnen und Schüler aus der Region bestehen laut Agentur damit sehr gute Ausbildungschancen.
Wer sucht und was gefragt ist
Über 82 Prozent der Bewerber sind unter 20 Jahre alt (1.241). 58 Bewerber, gut drei Prozent, gelten als Spätstarter und sind älter als 25 Jahre. Die meisten bringen einen Hauptschul- oder Realschulabschluss mit (80,6 Prozent), knapp ein Achtel die allgemeine Hochschulreife (über 12 Prozent). Aktuell suchen noch 72 der 1.513 BewerberInnen eine Ausbildung oder ein duales Studium. Die übrigen haben sich für ein Angebot entschieden oder eine andere Alternative gefunden.
Die Berufswünsche haben sich nach Angaben der Agentur nicht grundsätzlich geändert. In den Top 10 stehen Verkäufer/in, Kfz.mechatroniker PKW-Technik, Kaufmann/-frau Büromanagement, Fachlagerist/in, Tischler/in, Fachinformatiker/in Anwendungsentwicklung, Fachkraft Lagerlogistik, Landwirt/in und Verwaltungsfachangestellte/r Kommunalverwaltung. Bei den Mädchen liegt Verkäuferin vorn, bei den Jungen der KFZ-Mechatroniker. Beide Berufe führen die Liste seit Jahren an, obwohl die Chancen auf einen Platz in der Region dort nicht immer die besten sind.
Am Ende des Ausbildungsjahres blieben 167 Ausbildungsstellen unbesetzt, 26 mehr als im Vorjahr. Probleme bei der Besetzung hatten Unternehmen vor allem bei Elektroniker/in Energie-/Gebäudetechnik, Anlagenmechaniker/in Sanitär-/Heizung Klimatechnik, Verkäufer/in, Zerspanungsmechaniker/in und Berufskraftfahrer/in.
Stimmen zur Bilanz
Kathrin Groschwald, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Freiberg, nannte die Lage insgesamt stabil. Sie empfahl jungen Menschen auf der Suche nach einem Betrieb Praktika, um einen echten Einblick in die Arbeitswelt zu bekommen. Potenziale sieht sie bei schulschwächeren Bewerbern, jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss und Studienabbrechern. Unternehmen sollten deshalb auch Jugendliche mit Förderbedarf einstellen. Die Arbeitsagentur berate zu Fördermöglichkeiten. Das Projekt „Schule macht Betrieb“ habe sich in diesem Jahr wieder bewährt.
Dr. Olaf Richter, Geschäftsführer Bildung der Handwerkskammer Chemnitz, sagte: „Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Handwerk pendelt sich auf hohem Niveau ein.“ Er forderte verlässliche Rahmenbedingungen für die Betriebe. Dr. Cindy Krause, Geschäftsführerin der IHK Chemnitz, Regionalkammer Mittelsachsen, äußerte sich zum Abschluss des Ausbildungsjahres 2024/25. Sie sagte, dass die Zahl der Ausbildungsverträge erstmals seit mehreren Jahren zurückgehe, mache deutlich, wie wichtig verlässliche Rahmenbedingungen und eine starke Berufsorientierung seien.
In Kürze
- Im gesamten Landkreis Mittelsachsen stehen 1.513 gemeldeten Bewerbern 1.612 gemeldete Ausbildungsstellen gegenüber, von denen 167 unbesetzt sind
- In der Region Hainichen sind 479 Bewerber und 560 Ausbildungsstellen gemeldet, wobei 16 Stellen unbesetzt bleiben
- In der Region Freiberg stehen 635 gemeldeten Bewerbern 665 gemeldete Ausbildungsstellen gegenüber, 73 davon sind unbesetzt.
- Für die Region Döbeln sind 399 Bewerber und 387 Ausbildungsstellen gemeldet, wobei 78 Stellen unbesetzt geblieben sind.
- Nur in Döbeln liegt die Zahl der gemeldeten Stellen unter der der Bewerber; zugleich sind dort die meisten Stellen unbesetzt
- Hainichen weist den größten Abstand zwischen der Zahl der Bewerber und der Ausbildungsstellen auf.
Zusammenhang
Im Zwischenstand sah der Ausbildungsmarkt deutlich anders aus: Seit Oktober des Vorjahres wurden der Arbeitsagentur Freiberg damals 1.286 Ausbildungsstellen gemeldet, davon waren noch 613 unbesetzt. Von insgesamt 1.400 gemeldeten Bewerbern suchten noch 602 einen Ausbildungsplatz.
Laut Arbeitsmarktreport meldeten sich seit Beginn des Berufsberatungsjahres im Oktober 2025 1.223 Bewerber für Berufsausbildungsstellen, 73 mehr als im Vorjahreszeitraum. Zugleich gab es 1.141 Meldungen für Berufsausbildungsstellen. Die Agentur weist in dem Report darauf hin, dass die statistische Abbildung der gemeldeten Berufsausbildungsstellen seit April 2025 unvollständig ist.
Randbemerkung
Die Zahlen zeigen ein günstiges Bild für Jugendliche, doch die Verteilung innerhalb des Landkreises ist ungleich. Die Mitteilung erklärt nicht, warum Wunschberufe und offene Stellen so weit auseinanderliegen. Wer eine Lehrstelle sucht, sollte den Rat zu Praktika und Alternativen ernst nehmen.

