Plauen – Wer sich für die Aufarbeitung der SED-Diktatur interessiert, kann in Plauen die Sächsische Landesbeauftragte dazu persönlich erleben. Dr. Nancy Aris liest am 10. November, 17 Uhr, im Quartier 30 aus ihrem Buch „Das lässt einen nicht mehr los: Opfer politischer Gewalt erinnern sich“. Das teilte die Stadt Plauen mit. Die Lesung ist ein kostenloses Zusatzangebot zur Beratung über die Rehabilitierung von SED-Unrecht, die am 1. Oktober im Plauener Rathaus stattfindet.
Worum es im Buch geht
In dem Band erzählen 32 Frauen und Männer ihre Lebensgeschichten. Sie schildern Haft in sowjetischen Lagern, Zwangsaussiedlungen im Grenzgebiet der DDR sowie Gefängnisstrafen nach Protestaktionen oder Fluchtversuchen. Aris sichtete nach Angaben der Stadt viele solcher Lebensgeschichten, wählte Passagen aus und sprach noch einmal mit den Betroffenen. Entstanden sind Porträts, die von Unrecht, Angst und Entrechtung berichten, aber auch von Zusammenhalt, Mitmenschlichkeit und Hoffnung. Zahlreiche Fotos und Dokumente ergänzen die Texte.
Zur Autorin
Die Historikerin Aris kam 1970 in Ost-Berlin zur Welt. Nach dem Mauerfall studierte sie in Berlin, Moskau und Wrocław Russistik, Polonistik und Neueste Geschichte; in ihrer Doktorarbeit beschäftigte sie sich mit der Geschichtsschreibung im Stalinismus. Ab 2003 arbeitete sie als Stellvertreterin der Landesbeauftragten und folgte 2021 selbst in das Amt. Im März 2026 bestätigte man sie dort für eine weitere Amtszeit. Ihre Arbeit umfasst unter anderem die Beratung von politisch Verfolgten und die historisch-politische Bildung. Sie unterstützt außerdem Forschung, Gedenkstätten und Aufarbeitungsprojekte und bringt jungen Menschen die DDR-Geschichte näher. Sie ist Autorin vieler Veröffentlichungen über die SED-Diktatur und politische Verfolgung.
In Kürze
- Termin: 10. November, 17 Uhr
- Ort: Quartier 30, Plauen
- Eintritt: frei
- Anmeldung: nicht notwendig
- Zur Rehabilitierung von SED-Unrecht gibt es eine Beratung: 1. Oktober im Plauener Rathaus
Randbemerkung
Eine Lesung mit Zeitzeugenberichten macht abstrakte Begriffe wie Zwangsaussiedlung oder Lagerhaft greifbarer als manche Fachveranstaltung. Dass weder Eintritt noch Anmeldung nötig sind, senkt die Hemmschwelle. Offen lässt die Mitteilung, ob nach der Lesung Raum für Fragen oder Gespräche ist. Das wäre gerade für Betroffene und ihre Familien sinnvoll.

