Vogtland: Tiefengeothermie bei Schönbrunn könnte Wärme liefern

SachsenVogtland: Tiefengeothermie bei Schönbrunn könnte Wärme liefern

Dresden – Unter dem südwestlichen Vogtland gibt es nach neuen Forschungsergebnissen Hinweise auf warmes Thermalwasser, das sich für die Wärmeversorgung eignen könnte. Das teilte das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) mit. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts „E4Geo“ wurden gestern bei einer Fachveranstaltung des Landesamts in Plauen vorgestellt. Damit ging das Projekt zu Ende.

Anlass der Untersuchung waren sichtbare Hinweise auf ein solches Reservoir: An der Neumühle sprudelt das ganze Jahr über 25 Grad Celsius warmes Wasser aus dem Boden. Auch in einer stillgelegten Flussspatgrube bei Schönbrunn strömt in 500 Metern Tiefe stets 38 Grad Celsius warmes Wasser. Das Landesamt wollte das Potenzial der Tiefengeothermie für die Wärmeversorgung im Vogtland prüfen und daraus Schlüsse für die Energie- und Wärmewende in Sachsen ziehen. Gemeinsam mit externen Partnern erkundeten die Forscher während der letzten vier Jahre den tieferen Untergrund und werteten ihn geothermisch aus.

Was die Messungen ergeben haben

Die Forscher kombinierten seismische Messungen, hydrochemische Analysen und geophysikalische Untersuchungen zu einem 3-D-Modell des Untergrunds. Demnach zirkuliert in circa drei Kilometern Tiefe warmes Wasser, das ein hohes Nutzungspotenzial für das Vogtland hat. Insgesamt deuten die Ergebnisse auf Thermalwasser mit bis zu 100 Grad Celsius hin. Es fließt in Gesteinsklüften und ließe sich nach Einschätzung der Projektbeteiligten nachhaltig zur Wärmegewinnung fördern.

Auch das Grubenwasser in Schönbrunn käme als Wärmequelle infrage. Es befindet sich zwar nur in 500 bis 600 Metern Tiefe, ist dafür aber weniger heiß.

Zur Methodik: Die Seismik arbeitet ähnlich wie Ultraschall in der Medizin. Schallwellen werden in den Boden geschickt und von Sensoren im Erdreich aufgezeichnet. Aus den Laufzeiten und Frequenzen der zurücklaufenden Wellen können die Forscher Strukturen ableiten. Dabei stießen die Forscher im Granit auf feine Risse und Bruchzonen, in denen Thermalwasser fließen kann. Die Gravimetrie misst die Schwerkraft und zeigt, wo das Gestein dichter ist. Danach besteht der Granit unter Schönbrunn aus zwei Teilkomplexen und reicht bis in drei bis vier Kilometer Tiefe. Diese Erkenntnisse dienen als Grundlage für eine mögliche Planung von Tiefbohrungen.

Wasser- und Gasproben zeigen die Herkunft des Thermalwassers: Ursprünglich ist es Regenwasser, das vor langer Zeit im Boden versickerte. Bevor es in Schönbrunn erneut an die Oberfläche gelangte, blieb das Wasser mindestens 15.000 Jahre unter der Erde und erreichte dort höchstens 100 Grad Celsius.

Offene Fragen und nächste Schritte

Wie viel Wasser dem Untergrund entnommen werden kann, ist noch nicht geklärt und muss weiter untersucht werden. Die Projektpartner empfehlen dafür eine Machbarkeitsstudie zur Bewertung der Ergebnisse. Außerdem sollten der Wärmebedarf möglicher Nutzer analysiert und eine Tiefbohrung zur Erschließung und Förderung des Thermalwassers vorgenommen werden. Das Landesamt nennt die Ergebnisse eine wesentliche Grundlage für Wärmeversorgung und Wertschöpfung im Vogtland und in Sachsen. Der Schutz der Umwelt habe dabei höchste Priorität, vom Natur- und Grundwasserschutz bis hin zu den Mineral- und Heilquellen der Region.

In Kürze

  • Projekt: „E4Geo“, Projektlaufzeit 2022 – 2026
  • Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) leitet das Projekt.
  • Projektpartner: Geoforschungszentrum Potsdam, LIAG-Institut in Hannover, TU Bergakademie Freiberg sowie Universität Jena
  • Ergebnisse vorgestellt: gestern bei einer Fachveranstaltung des LfULG in Plauen

Randbemerkung

Die Studie liefert Hinweise, noch keine Zusage: Ob und wie viel Wärme das Vogtland tatsächlich daraus gewinnen kann, hängt von Machbarkeitsstudie und Bohrung ab. Offen bleibt, wer diese Schritte anstößt und trägt. Die Mitteilung betont ausdrücklich den Umweltschutz, auch den Schutz der Mineral- und Heilquellen.

Mehr aus der Region

Weitere Orte:

Zuletzt erschienen