Betriebe setzen auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten auf Ausbildung – aber es wird schwieriger

SachsenBetriebe setzen auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten auf Ausbildung – aber es wird schwieriger

Dresden – #AusbildungsmarktSachsen – Bilanz zum sächsischen Ausbildungsmarkt im Jahr 2026

In Sachsen haben zwischen Oktober 2025 und September 2026 etwa 18.700 Jugendliche mit Unterstützung der Berufsberatung einen Ausbildungsplatz gesucht. Gleichzeitig meldeten die sächsischen Betriebe der Bundesagentur für Arbeit rund 19.900 Berufsausbildungsstellen. Die meisten Bewerber haben inzwischen ihre Ausbildung begonnen oder eine andere Perspektive gefunden, fast 1.600 sind noch auf der Suche. Auch die sächsischen Unternehmen konnte viele ihrer Ausbildungsplätze besetzten: Offen geblieben sind rund 1.500.

„Auf den ersten Blick scheint der sächsische Ausbildungsmarkt insgesamt ausgeglichen. Doch es wird zunehmend schwieriger, junge Menschen und Ausbildungsbetriebe zusammenzubringen. Dafür gibt es mehrere Gründe: Die Bewerberstruktur verändert sich. Zugleich hinterlässt die anhaltend angespannte wirtschaftliche Lage auch auf dem Ausbildungsmarkt ihre Spuren. Deshalb ist es gut, dass viele Betriebe weiterhin an der Ausbildung festhalten und jungen Menschen eine Chance geben. Denn der demografische Wandel wird den Fachkräftebedarf in den kommenden Jahren weiter erhöhen. Wer ausscheidende Beschäftigte künftig ersetzen und seinen Fachkräftebedarf sichern will, muss heute ausbilden“, sagte Klaus-Peter Hansen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen der BA.

Gemeldete Ausbildungsbewerber: 18.733
Ausbildungsbewerber im Vorjahresvergleich: +126 oder+0,7%
Gemeldete Berufsausbildungsstellen: 19.922 Berufsausbildungsstellen
Vorjahresvergleich: +38 oder +0,2%

Das Beratungsjahr in der Ausbildungsmarktstatistik umfasst den Zeitraum von Oktober 2025 bis September 2026. In diesem Zeitraum haben sich bei den sächsischen Jugendberufsagenturen insgesamt 18.733 Bewerber gemeldet, 126 mehr als im Vorjahreszeitraum. Im gleichen Zeitraum wurden durch die sächsischen Unternehmen insgesamt 19.922 Ausbildungsplätze zur Verfügung, insgesamt 38 mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Vergleich zum Vorvorjahreszeitraum ist die Zahl der Bewerber um 119 gestiegen und die Zahl der Ausbildungsstellen um 908 gesunken.

Am Ende des diesjährigen Berufsausbildungsjahres (September 2026) waren 1.539 Lehrstellen unbesetzt, zugleich haben 1.643 Jugendliche noch keinen Ausbildungsvertrag unterschrieben und gelten als unversorgt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum waren das 212 weniger freie Lehrstellen und 373 mehr unversorgte Bewerber.

Für alle jungen Menschen, die flexibel sind und sich jetzt noch kurzfristig für eine Berufsausbildung entscheiden oder deren Ausbildungsverhältnis vorzeitig gelöst wurde, stehen somit rein rechnerisch genug Ausbildungsstellen zur Verfügung. Interessenten erhalten bei der Berufsberatung der Jugendberufsagenturen schnell und direkt passende Angebote. Die Berufsberaterinnen und Berufsberater kennen den regionalen Arbeitsmarkt, aktuelle Trends, Berufe und deren Zukunftschancen.

Die Mitgliedsunternehmen der drei sächsischen Industrie- und Handelskammern (IHK) Chemnitz, Dresden und zu Leipzig haben für das Ausbildungsjahr 2025/2026 insgesamt 11.221 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen (Stand: 30. September 2026). Das sind 449 oder -3,8 Prozent weniger als im Vorjahr.

„Die gewerbliche Wirtschaft in Sachsen beweist auch 2026, dass sie trotz konjunktureller Herausforderungen und schwieriger wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen mit großem Engagement in die Ausbildung investiert. Die Firmen wissen, dass die duale Ausbildung ein tragendes Fundament für die wirtschaftliche Zukunft von Sachsen ist und bleibt. Der Fachkräftemangel bleibt aber eine starke Herausforderung. Sachsen muss deshalb für junge Menschen, die hier lernen, leben und arbeiten möchten, attraktiv bleiben. Die duale Ausbildung bietet ihnen einen praxisnahen Einstieg in den Arbeitsmarkt und eröffnet zugleich unseren Unternehmen zusätzliche Chancen, ihren Fachkräftebedarf langfristig zu sichern“, sagte Max Jankowsky, Präsident der IHK Chemnitz und Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der sächsischen Industrie- und Handelskammern.

Die meisten abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Bereich der IHK gab es in den Berufen: Verkäufer/-in (910), Kaufmann/-frau im Einzelhandel (828), Mechatroniker/-in (586), Kaufmann/-frau für Büromanagement (486) und Koch/ Köchin (434).

Die Betriebe der drei sächsischen Handwerkskammern haben bis zum 30. September 2026 insgesamt 5.593 neue Lehrverträge unterschrieben. Das sind 282 weniger als im letzten Ausbildungsjahr (minus 4,8 Prozent).

„Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Handwerk pendelt sich auf hohem Niveau ein. Das ist ein starkes Signal der Betriebe, die trotz der anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Lage den Wert der Ausbildung schätzen. Um diese Entwicklung beizubehalten braucht es aber auch verlässliche Rahmenbedingungen für die Betriebe, um investieren, planen und jungen Menschen eine berufliche Perspektive bieten zu können. Dass die Betriebe ausbilden wollen, steht außer Frage, denn die Ausbildung eigener Fachkräfte für das Handwerk von entscheidender Bedeutung, um den Fachkräftebedarf der Zukunft zu decken. Umso wichtiger ist es, dass daher jetzt die notwendigen politischen Reformen angegangen werden: weniger Bürokratie, tragfähige, nachhaltig finanzierte und vor allem auf den demografischen Wandel angepasste Sozialsysteme und gezielte Investitionen in den Wirtschaftsstandort. Ebenso müssen wir die berufliche Bildung stärken und die Chancen, die eine Ausbildung im Handwerk bietet, auch und trotz KI, noch stärker in den Fokus rücken“, so Frank Wagner, Präsident der Handwerkskammer Chemnitz und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der sächsischen Handwerkskammern.

Die meisten abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Bereich des Handwerks gab es in den Berufen: Kraftfahrzeugmechatroniker (904), Elektroniker (502), Anlagenmechaniker für Sanitär/Heizung/Klima (460), Maler und Lackierer (249), Fachverkäufer Lebensmittelhandwerk (236), Tischler (214), Friseur (207) sowie Dachdecker (205).

Die Heinrich Schmid GmbH & Co. KG hat seit 1990 Standorte in Chemnitz und bietet ein breites Spektrum handwerklicher Dienstleistungen. Dazu gehören Maler- und Tapezierarbeiten, Bodenbelagsarbeiten, Wärmedämmung sowie Arbeiten an Fassaden und im Innenbereich. Auch bei Um- und Ausbau sowie bei Sanierungsarbeiten und im Bereich Elektrik ist das Unternehmen tätig.

„Wir brauchen junge Menschen, die Lust haben, mit Kopf, Herz und Hand tätig zu werden. Um sie für unser Unternehmen zu gewinnen, machen wir uns bei Jugendlichen sichtbar, lassen sie unsere Arbeit erleben und zeigen Entwicklungsmöglichkeiten auf. Das beginnt bereits vor der Ausbildung: Wir arbeiten eng mit Schulen zusammen, sind auf Messen wie der „Schau rein“ oder „Mach was“ vertreten und veranstalten eigene Formate wie den „School Day“, bei dem sich die Gewerke vorstellen und zu dem wir Schulen direkt einladen. Weil wir Fachkräfte benötigen, setzen wir anschließend auf eine gute Ausbildung – im Echtbetrieb, auf Baustellen und mit zusätzlichen Schulungsangeboten durch erfahrene Profis. Dieser Weg gelingt uns bisher auch ganz gut“, sagte Uwe Schulze, Geschäftsbereichsleiter Mitteldeutschland der Heinrich Schmid GmbH & Co. KG.

Am Standort Chemnitz bildet Heinrich Schmid in verschiedenen handwerklichen Berufen aus. Dazu zählen unter anderem Maler und Lackierer, Bodenleger, Fliesenleger, Stuckateure, Elektriker und Trockenbaumonteure. In den vergangenen 3 Jahren (2023-2025) haben am Standort 35 Auszubildende am Standort Chemnitz ihre Ausbildung begonnen. Dieses Jahr kamen 11 hinzu. Damit lernen aktuell 46 Azubis bei der Heinrich Schmid GmbH & Co. KG in Chemnitz.

Auch nach der Ausbildung sind die Jobchancen recht gut. Die meisten Azubis werden nach erfolgreichem Abschluss übernommen. Damit stehen ihnen dann auch vielfältige berufliche Entwicklungsmöglichkeiten offen.

Mehr aus der Region

Weitere Orte:

Zuletzt erschienen