Grube Tannenberg bei Muldenhammer: Mettenschicht und Führung unter Tage

Umwelt & VerkehrGrube Tannenberg bei Muldenhammer: Mettenschicht und Führung unter Tage

Plauen – Das höchstgelegene Besucherbergwerk Sachsens liegt am Schneckenstein zwischen Muldenhammer und Klingenthal: die Grube Tannenberg. Der Verkehrsverbund Vogtland (VVV) teilte mit, wie eine Führung dort abläuft. Die Redaktion VISCHELANT war an einem Samstagvormittag dabei und schaute sich auch die Weihnachtszeit unter Tage an.

Der Stollen liegt auf 835 Metern Höhe. Drinnen sind es nach Angaben der Mitteilung konstant fünf Grad, im Juli wie im Januar. Der Berg atme mit den Jahreszeiten und gleiche die Luft immer auf denselben Wert an. Im Februar seien die ersten Meter oft mit Eiszapfen zugewachsen. Besucher sollten sich deshalb warm anziehen. Bergwerksleiter Steffen Gerisch reimt dazu: „Willst du die Grube Tannenberg besuchen, musst du im Schrank nach dem Winterschlüpfer suchen.“

Vom Zinnerz zum Schaubergwerk

Der Bergführer teilt die Geschichte der Grube in drei Abschnitte von je dreißig Jahren: Bergbau, Stillstand, Schaubergwerk. Im 15. Jahrhundert wurden hier elf Schächte in den Boden getrieben, per Hand. Eine Schicht brachte nur zweieinhalb Zentimeter Fortschritt, und pro Jahr kamen sieben bis neun Tonnen Zinnerz heraus.

In den 1920er Jahren brachte eine Bohrung einen mächtigen Erzkörper ans Licht, den Geologen entdeckt hatten. Ab 1937 trieben Bergleute den heutigen Besucherstollen 600 Meter in den Berg, was ein Jahr dauerte. Zinnerz wurde von 1941 bis Kriegsende abgebaut, zwischen 1954 und 1964 wurde noch einmal gefördert. Danach galt das Vorkommen als verbraucht und weiterer Abbau als nicht mehr rentabel.

Die Idee zum Besucherbergwerk kam von einem alten Bergmann. Gerisch arbeitete damals im Naturschutz beim Landkreis und verließ den öffentlichen Dienst, um das Projekt zu führen. 1992 begann der Umbau, am 3. Oktober 1996 war die Eröffnung. Anfangs kamen rund 20.000 Gäste, heute sind es 30.000 bis 35.000 im Jahr. Vier Festangestellte, Aushilfen und Ehrenamtliche kümmern sich um Bergwerk, Mineralienzentrum und Topasfelsen.

Seinen Teamgeist fasst Gerisch in die Worte: „Solange ich selber einen Lappen angreifen und ein Waschbecken auswischen kann, könnt ihr das genauso.“

Die Führung

Das Bergwerk ist nur mit Führung zugänglich. Rund eine Stunde dauert der Weg, der 600 Meter weit in den Berg hineinführt. Es ist nass, es tropft, und im Winter hängen Fledermäuse in Trauben an der Decke. Besucher können Bohrmaschinen auf ihren Lafetten ansehen, einen Bohrhammer mit fünfzehn Kilo anheben und sich in die Grubenbahn setzen. Zum Schluss steht der Rundgang vor einem riesigen, durch den Bergbau entstandenen Hohlraum, der zu den größten im deutschen Erzbergbau zählt und etwa 150 Meter hoch ist. Im unteren Teil liegt ein unterirdischer See.

Bei den angemeldeten Kinderführungen suchen Kinder im Stollen nach Edelsteinen, passend zur Geschichte von Schneewittchen und den Zwergen. Sie dürfen behalten, was sie finden, und die Steine werden in der Edelsteinschleiferei des benachbarten Mineralienzentrums bearbeitet. Gerisch sagt, Kinder brauchten weniger Programm, als Eltern glauben, und vor allem keinen Druck.

Mettenschichten im Dezember

Die Mettenschicht, die letzte Schicht vor Weihnachten, geht auf das 15. Jahrhundert zurück. In der Grube Tannenberg läuft sie bis heute ähnlich ab: erst Führung, dann eine halbe Stunde Andacht mit Pfarrer und Posaunenchor, danach Schinken im Brotteig, Glühwein, Tee und Grubenschnaps. Termine gibt es vom 1. bis 23. Dezember, teils mehrfach am Tag. Die Gäste kommen aus Dresden und Leipzig, Busse sogar von der Ostsee.

Auch der Schwibbogen hat laut Mitteilung seinen Ursprung im Bergbau: Er geht auf das beleuchtete Mundloch zurück, die älteste Form trägt nur neun Kerzen. Ebenso stammen Bergmann und Engel im Fenster aus dem Bergbau.

Wer will, besucht nach der Führung das Vogtländisch-Böhmische Mineralienzentrum, den Schneckenstein als einzigen Topasfelsen Europas und den Aussichtspunkt auf einer ehemaligen Bergbauhalde.

In Kürze

  • Adresse: Besucherbergwerk Grube Tannenberg, Zum Schneckenstein 42, 08228 Muldenhammer OT Schneckenstein
  • Internet: www.schneckenstein.de
  • Führungen: um 10:00, 11:30, 13:00 und 14:30 Uhr, von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen
  • Gruppen, Kinderführungen und Mettenschichten müssen sich vorab anmelden.
  • Warme Kleidung und festes Schuhwerk, zum Beispiel Wanderschuhe, sind empfehlenswert.
  • Anreise: PlusBus 20 bis Mühlleithen, Kammweg, danach ca. 45 Minuten Wanderung; TaktBus 23 bis Schneckenstein, Ortseingang (Bedarfshaltestelle, Anmeldung mindestens 60 Minuten vorher oder gegebenenfalls am Vortag unter 03744 19449), danach rund 700 Meter zu Fuß

Zusammenhang

Wikipedia definiert ein Schaubergwerk, auch Besucherbergwerk genannt, als ehemaliges Bergwerk, das nicht mehr der Förderung dient und für geführte Besuchergruppen hergerichtet wurde.

Für die Grube Tannenberg nennt Wikipedia 1992 als Jahr der Entscheidung für das Besucherbergwerk. Als Höhepunkt der Führungen gilt der unterirdische See, der sich nach der Stilllegung mit Wasser gefüllt hat. Das Besucherbergwerk gilt als das höchstgelegene in Sachsen.

Randbemerkung

Die Mitteilung liest sich wie ein Erlebnisbericht und weckt Lust auf den Besuch. Besonders praktisch ist der Hinweis auf die Anreise per Bus, die für Wanderer eine Alternative zum Auto bietet. Wer im Dezember zur Mettenschicht will, sollte früh anmelden. Wie weit der Fußweg von der Haltestelle für Familien taugt, lässt die Mitteilung offen.

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